Geomantie

Geomantie (auch Geomantik) bedeutet Erd-Weissagung / Erd-Wahrsagung, hergeleitet aus dem Spätgriechischen „geomanteia“ („gaia“ oder „ge“ = Erde und manteia = Weissagung).

Es geht – nach Prof. Eike Hensch – um die energetischen, „biokybernetischen Auswirkungen, die mit dem Erdinneren und der Erdoberfläche in Verbindung stehen“. Marko Pogacnik definiert: „Die Wahrheit sagen über die verborgenen Kräfte der Erde“ und schreibt über den „ganzheitlichen Zugang zu den feinstofflichen, unsichtbaren Dimensionen der Landschaft, der Erde und der Natur.“

Gemeint ist damit auch die Verbundenheit und das Wechselspiel zwischen Erde und Kosmos und das Erfahren und Entschlüsseln der darin enthaltenen energetischen Prozesse und Informationen. Voraussetzungen für diese Kunst sind Erfahrungen mit Radiästhesie und Bioresonanz, gepaart mit Fähigkeiten der Empathie, Imagination, Intuition, der inneren Schau, der Gefühle.

Johannes Heimrath (Hagia Chora) definiert: „In der Geomantie geht es um die Beziehung zwischen Mensch und Erde, zwischen Menschen und Räumen, zwischen Menschen, Orten und Landschaften – und alles besitzt eine ethisch-spirituelle Komponente.“ Diese Beziehungsqualitäten können nicht nur in der Sprache der Geomanten übermittelt werden, sondern in allen Sprachen wie die der Architekten, Gärtner, Künstler, Philosophen, Wissenschaftler, Therapeuten.

Marko Pogacnik schreibt sinngemäß: wir dagegen haben unsere Wahrnehmung verengt auf unsere fünf Sinne und damit auf die materielle Oberfläche, die dem Verstand zugänglich ist. Ausgeklammert wurde die Welt in ihrer energetischen, geistig-seelischen, stofflichen Ganzheit. Unsere Gedankenmuster filtern die Wahrnehmungen. Sie sind eine in Jahrtausenden gewachsene Kulturschöpfung, die nichts mit der wahren Gestalt der Landschaft, der Erde und der Natur zu tun hat.

Verschiedene Institute bieten eine Geomantie-Ausbildung an. Ein wichtiger Part ist dabei die Wahrnehmungsschulung, das Erlangen einer verfeinerten Wahrnehmung auf körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene. Das Wahrnehmen eines Baumes, einer Landschaft. Das Erspüren des „Geistes eines Ortes“, des genius loci. Das Erkennen der Qualitäten einer Landschaft. Es wird gelehrt, wie der Geomant sich einem Ort nähert, sich in ihn „hinein atmet“.

Die „Mutter Erde“ wird als lebender Organismus angesehen. Unterschiedliche Empfindungs-Qualitäten werden wahrgenommen, je nachdem welche Chakren mit einem ausgewählten Platz in Resonanz gehen. Es werden Einatmungs- / Ausatmungspunkte erspürt, Einstrahlungs- und Ausgießungspunkte, vitalenergetische Zentren, Herzzentren.

Betrachtet wird nicht nur ein einzelner Ort, wie z.B. Stonehenge, sondern der Zusammenhang und die Bedeutung der gesamten umliegenden, viele Kilometer umfassenden Landschaft mit allen Erdwerken und heiligen Stätten, die miteinander in Beziehung stehen durch die geschichtlichen Abläufe und gelebten Mythen. Das Ortsgedächtnis gibt Auskunft darüber.

Auch weit größere Zusammenhänge werden betrachtet, wie z.B. die Landschaft Europas als Ganzheit, mit Kreta als Wurzelchakra Europas. Welche überregionalen Kraftlinien (Leylines) verbinden welche wichtigen Orte? Warum erstreckt sich eine Leyline von Delphi über Wallhall zu den Externsteinen?

Dort, wo massiv in die Natur eingegriffen wird, wo z.B. durch den Über-Tage-Bergbau bis zu einer Tiefe von 500 m Braunkohle abgebaut wird, Dörfer verschwinden und Wunden von vielen Quadratkilometern an der Erdoberfläche entstanden sind und die Abraumberge wieder kultiviert werden, unterstützen Geomanten die „Erdheilung“ durch Beratung bei der Landschaftsplanung, durch aktive Mitarbeit, Steinsetzungen und energetische Arbeit. Konkret leiten sich somit auch ökologische Betrachtungs- und Handlungsweisen ab.

Etwas zur Geschichte:
Als divinatorische Geomantie wird die Orakelkunst bezeichnet (z.B. Orakel von Delphi, arabisches Sandorakel, mittelalterliche „Punktierkunst“). Die weiter oben beschriebene Form der Geomantie wird als tellurischer Geomantie bezeichnet. Forschungen sehen geomantische Praxis bereits in megalithischen Bauwerken und in der Orientierung ägyptischer, griechischer, etruskischer und römischer Bauwerke.

In England gehen Veröffentlichungen über Geomantie bis ins 16. Jahrhundert zurück. Als im 19. Jahrhundert das chinesische Feng Shui in Europa bekannt wurde, brachte man es mit der Geomantie in Verbindung. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es von England ausgehend durch die Jugendkultur der Hippiezeit Inspiration und Motivation für eine neue geomantische Bewegung. In ihr wurde die Auseinandersetzung mit den Ley-Lines aufgenommen. In den 70er Jahren, der Hochblüte der Popmusik und den neu entdeckten östlichen Religionen bildete sich die „Earth-Mysteries“-Bewegung. Damit eng verbunden sind die Forscher und Autoren John Mitchell, Marco Bischof, Paul Devereux und Nigel Pennik, in deren Veröffentlichungen ein unerschöpflicher Reichtum an Wissen über Geomantie enthalten ist.